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29 vermeintliche Gründe gegen Aktien

Die Rückschläge in den vergangenen 30 Jahren haben viele Menschen vom Investieren zurückgehalten. Unsere Daten zeigen, was nach jedem Ereignis geschah.

21.02.2019

David Brett

David Brett

Redakteur

In den drei hinter uns liegenden Dekaden waren Kriege, Katastrophen, wirtschaftliche Auseinandersetzungen und politische Instabilität häufig wiederkehrende Themen. Solche Ereignisse können sich beträchtlich auf die Anlagebereitschaft der Menschen auswirken.

Vielfach wird die ohnehin schwere Entscheidung zu investieren damit noch einmal erschwert. Mancher lässt sich sogar ganz abschrecken. Verhaltenswissenschaftler haben dafür einen Namen: Verlustaversion. Sie gehen davon aus, dass ein Verlust psychologisch doppelt so schwer wiegt wie die positive Erfahrung bei Gewinnen. Daher vermeiden manche Menschen die Risiken, denen man als Anleger ausgesetzt ist.

Analysen von Schroders zeigen jedoch: Dem Aktienmarkt in den vergangenen 30 Jahren fernzubleiben könnte kostspielig gewesen sein.

Bei Inflation und historisch niedrigen Zinsen wäre der Wert Ihres Geldes erodiert, wenn Sie sich entschieden hätten, nicht zu investieren. Natürlich geht die Teilnahme am Aktienmarkt mit Risiken einher – nämlich die Gefahr, dass Sie das gesamte investierte Geld verlieren. Sie haben aber auch die Chance, Ihre Renditen zu steigern.

Untersuchungen von Schroders zeigen Folgendes (bereinigt um Inflationseffekte):

  • 1.000 US-Dollar, die zu Beginn des Jahres 1989 in der Matratze versteckt wurden, wären aufgrund der Inflation heute nur noch 232 US-Dollar wert, was einem jährlichen Wachstum von -5,1 % entspricht.
  • 1.000 US-Dollar, die zu Beginn des Jahres 1989 in den MSCI World Index (der die globalen Aktienmärkte widerspiegelt), mit allen Erträgen reinvestiert, investiert wurden, wären heute 1.983 US-Dollar wert, was einem jährlichen Wachstum von 2,5 % nach Inflationsausgleich entspricht.

Die unten stehende Abbildung zeigt, wie sich der reale Wert von 1.000 US-Dollar Jahr für Jahr änderte – je nachdem, ob sie am globalen Aktienmarkt investiert oder in der Matratze versteckt wurden.

Wie hat sich der Wert von 1.000 US-Dollar seit 1989 entwickelt?

 

Diese Informationen sind nicht als Beratung zu verstehen. Die hierin enthaltenen Angaben werden als verlässlich erachtet. Schroders übernimmt jedoch keine Gewähr für ihre Vollständigkeit oder Richtigkeit. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und lässt sich möglicherweise nicht wiederholen.

Quelle: Schroders. Daten: Refinitiv in Bezug auf den MSCI World Index in US-Dollar (Stand: 3. Januar 2019). Globale Inflationsdaten: Weltbank.

Eine kurze Geschichte der Einbrüche an den Aktienmärkten seit 1989

In den vergangenen 30 Jahren kam es zu einigen der größten Aktienmarkteinbrüche der Geschichte.

1990 stürzten Aktien weltweit und insbesondere in Japan ab, als die japanische Bankenkrise ausbrach. Der MSCI World Index fiel um 16,5 %. Diese Phase fiel mit einer globalen Rezession zusammen.

Die Aktien erholten sich im Laufe des Jahrzehnts wieder. Die Rallye nahm jedoch zur Jahrtausendwende ein abruptes Ende. In den drei folgenden Jahren, von 2000 bis 2002, verlor der MSCI World Index an Wert.

Das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000, als hoch bewertete Technologieaktien abgestoßen wurden, läutete schlechte Zeiten für Aktien weltweit ein. Es folgten die Terroranschläge am 11. September 2001 in New York und die weltweite Konjunkturschwäche im Jahr 2002. Der MSCI World Index brach zwischen dem 31. Dezember 1999 und dem 31. Dezember 2002 um 41,5 % ein.

Die weltweite Finanzkrise im Jahr 2008, die mit dem allmählichen Kollaps des Wohnimmobilienmarkts in den USA im Vorjahr begann, hatte die schwerste globale Rezession seit den 1930er-Jahren zur Folge. Der MSCI World Index gab über das Jahr 2008 um 40,3 % nach – das schlechteste Ergebnis seit 1989.

Die unten stehende Tabelle zeigt, wie Ihre Anlagerenditen in den 29 Jahren zwischen 1989 und 2017 hätten ausfallen können. Sie zeigt, dass Sie die Inflation teuer zu stehen kommen kann, wenn Sie Ihr Geld nicht investieren. Außerdem zeigt sie aus globaler Sicht für jedes Jahr mögliche Gründe von Anlegern, nicht zu investieren.

Jahresrenditen auf 1.000 US-Dollar ab 1989

Jahr Ein Grund, nicht zu investieren? MSCI World Index (Jahresende) MSCI World Index Veränderung zum Vorjahr (%) Durchschnittliche Inflationsrate Wert von 1.000 USD am Jahresende, 1989 investiert in den MSCI World Index Wert von 1.000 USD am Jahresende (1989 nicht investiert oder verzinst)
1989 Junk-Bond-Krise 1206 17.2% 6.8% $1,104 $932
1990 Rezession 1007 -16.5% 8.1% $833 $857
1991 Wirtschaftskrise Indien 1197 19.0% 9.0% $916 $780
1992 Großbritannien  tritt aus dem Wechselkursmechanismus aus (ERM) 1142 -4.7% 7.5% $804 $721
1993 Schwedische Bankenkrise 1406 23.1% 6.8% $936 $673
1994 Balkan-Krieg 1484 5.6% 10.3% $892 $603
1995 Tequila-Krise 1801 21.3% 9.2% $1,000 $548
1996 Fed-Vorsitzender zweifelt Aktienmarktbewertung an 2053 14.0% 6.6% $1,075 $512
1997 Asien-Krise 2386 16.2% 5.5% $1,190 $484
1998 Russische Finanzkrise 2977 24.8% 5.1% $1,424 $459
1999 Argentinische Finanzkrise 3732 25.3% 3.2% $1,739 $444
2000 Dotcom-Blase 3250 -12.9% 3.5% $1,453 $429
2001 Terrorangriff am 11. September 2713 -16.5% 4.0% $1,155 $412
2002 Aktienmarktcrash 2183 -19.5% 2.9% $896 $400
2003 Irak-Krieg 2919 33.8% 3.0% $1,171 $388
2004 Terrorangriff in Madrid 3365 15.2% 3.4% $1,310 $374
2005 Terrorangriff in London /Hurricane Katrina 3702 10.0% 4.1% $1,388 $359
2006 Immobilienblase 4466 20.7% 4.3% $1,615 $344
2007 US-Hypothekenkrise 4894 9.6%  4.8%  $1,692  $327 
2008 Globale Finanzkrise 2920  -40.3%  9.0%  $858  $298 
2009 Globale Rezession 3819  30.8%  2.9%  $1,097  $289 
2010 Staatschuldenkrise Europa 4290 12.3%  3.4%  $1,196  $280 
2011 Griechische Schuldenkrise & Bailout 4075 -5.0%  4.8%  $1,078  $266 
2012 USA steuern auf die Fiskalklippe zu (Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen) 4749 16.5%  3.7%  $1,216  $256 
2013 Russland greift Ukraine an 6048  27.4%  2.6%  $1,517  $250 
2014  Wirtschaftskrise Brasilien 6381  5.5%  2.4%  $1,565  $244 
2015 Aktienmarktcrash in China  6361  -0.3%  1.4%  $1,538  $240 
2016 Großbritannien entscheidet sich für Brexit 6879 8.2% 1.5%  $1,640  $237 
2017  Steigender Populismus  8466 23.1%  2.2%  $1,983  $232 

Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis für die Wertentwicklung in der Zukunft und wiederholt sich möglicherweise nicht. Quelle: Schroders. Daten von Refinitiv zum MSCI World Total Return Index, der Dividenden umfasst, in US-Dollar (Stand: 3. Januar 2019). Globale Inflationsdaten: Weltbank.

Nick Kirrage, Fondsmanager im Schroders Value Equity Team, hat oft darüber geschrieben, wie gefährlich Furcht sein kann:

„Die Menschen verlieren manchmal den Bezug zur Realität, nur weil bestimmte Ereignisse in der Vergangenheit schlecht waren“, kommentiert er. „Dies kann dazu führen, dass sie Maßnahmen ergreifen – oder unterlassen –, die ihrem Vermögen über Jahrzehnte hinweg schaden können.

Diese Daten zeigen, dass die Inflation die Ersparnisse von Anlegern, die lieber Barmittel hielten, bei steigenden Aktienmärkten zerstörte. Zu diesem Schluss kommt man auch in vielen anderen Phasen des 20. Jahrhunderts. Selbst während des Zweiten Weltkriegs konnte man in den USA und Großbritannien am Aktienmarkt solide Renditen erwirtschaften.

Die Wahrheit ist, dass es keinen perfekten Zeitpunkt gibt, um am Aktienmarkt zu investieren. Wenn Sie auf einen solchen Zeitpunkt warten, werden Sie für immer in Barmitteln investiert bleiben und auf längere Sicht wesentlich schlechter dastehen.“


Die oben dargelegten Meinungen stellen keine verlässliche Grundlage für eine Anlageentscheidung dar und sollten nicht als Ratschlag und/oder Empfehlung ausgelegt werden. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit bietet keine Hinweise auf die Wertentwicklung in der Zukunft. Das von Ihnen investierte Geld kann an Wert verlieren. Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.