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Global Investor Study

Fragen und Antworten: Expertenmeinung zu ESG

Unsere Studie deckt die Einstellungen zu nachhaltigen Anlageentscheidungen auf. Jessica Ground, Head of Stewardship, beantwortet wichtige Fragen zu ESG-Faktoren.

28.11.2016

Die Schroders Global Investor Study 2016 enthüllt Einstellungen zur Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und die Unternehmensführung betreffenden (ESG) Aspekten bei Anlageentscheidungen. Dafür wurden 20.000 Anleger aus 28 Ländern befragt.

Jessica Ground, Head of Stewardship bei Schroders, spricht einige der wichtigsten Themen an.

Die Umfrage zeigt, dass ein großes Interesse an nachhaltigen Kapitalanlagen besteht. Stimmt das mit Ihren Beobachtungen überein? Was macht Schroders dafür?

Das ist absolut verständlich. Die Welt verändert sich schneller als je zuvor. Umweltzwänge sind akuter und soziale Begebenheiten verändern sich rasant. Unsere Kunden erkennen dies und fragen, wie wir als Fondsmanager darauf reagieren. Unser Fokus bei Schroders war schon immer die Einbeziehung von ESG-Überlegungen in unsere Investmentprozesse. Unserer Meinung nach werden Unternehmen, die nicht auf diese Trends reagieren, keine verbindlichen Beziehungen zu Anspruchsgruppen aufbauen und nicht nachhaltig handeln, Mühe haben, wettbewerbsfähig und rentabel zu bleiben. Als Vermögensverwalter können wir durch unsere Stewardship-Aktivitäten ebenfalls dazu beitragen, Verbesserungen in diesen Bereichen anzuregen.

Das Ergebnis ist, dass aus dem untergeordneten Nischensegment des „nachhaltigen“ oder „verantwortlichen“ Investierens ein zentrales Schwerpunktthema geworden ist. Über 90 der 100 größten Investmentmanager der Welt haben die Principles of Responsible Investment (PRI), eine von den Vereinten Nationen unterstützte Initiative für verantwortliches Investieren, unterzeichnet und sich damit verpflichtet, ökologische, soziale und die Unternehmensführung betreffende Aspekte (ESG) bei ihren Anlageentscheidungen zu berücksichtigen.

Wir waren in der Branche von Anfang an involviert. Unserer Meinung nach müssen Fondsmanager wie wir an dieser Stelle betonen, zeigen wie sich ein Engagement für ESG-Aspekte auf Anlageentscheidungen auswirkt und wie wir als Anleger sicherstellen, dass Unternehmen aktiv auf die Veränderungen um sie herum reagieren.

Bedeutet dieser Fokus auf nachhaltiges Investieren, dass die Branche bisher nicht nachhaltig gearbeitet hat?

Nachhaltigkeit war schon immer ein Thema und ist ein wichtiges Element von Anlageentscheidungen.

Sie hat viele Namen – ESG, nachhaltiges Investieren, verantwortungsvolles Investieren oder sozial verantwortliche Kapitalanlage (Socially Responsible Investing, „SRI“). All diese Begriffe beziehen sich im Wesentlichen auf eine Investmentmethode, die bestrebt ist, die Qualität, das Wachstum und die Nachhaltigkeit eines Unternehmens zu beurteilen.

Für uns ist es offensichtlich, dass der Aufbau guter Beziehungen zu den Anspruchsgruppen – d.h. zu allen, die von den Aktivitäten eines Unternehmens betroffen sind – und die Anpassung an den von ihnen ausgehenden Druck, zu einem langfristigen Wettbewerbsvorteil werden und zu Nachhaltigkeit führen kann.

Schroders war immer schon ein langfristig orientierter Anleger. Unsere Analysten wissen instinktiv, dass sie die Aussichten einer Anlage in einem Unternehmen nur verstehen, wenn sie analysieren, wie das Unternehmen mit der Außenwelt interagiert. Kurzfristige Quartalsergebnisse reichen dazu nicht aus. Wir gehen diese Fragen konstruktiv an, um somit nachhaltige, langfristige Renditen für unsere Kunden zu erzielen.

Die Studie stellte auch fest, dass Anleger weltweit (82 %) zumeist bereit waren, nachhaltigen Anlagen mehr Zeit einzuräumen, um Erfolg zu haben. Müssen sie wirklich länger auf bessere Renditen warten?

Unser Ziel ist es, Unternehmen dazu zu bewegen, auf die Welt im raschen Wandel zu reagieren und weit in die Zukunft zu blicken, um einige der großen Probleme, wie die demografische Entwicklung und den Klimawandel anzugehen. Einige der Faktoren, die die Widerstandsfähigkeit und den Weitblick von Unternehmen zeigen, machen sich oft erst nach Jahren bemerkbar. Dafür ist Geduld nötig. Zugleich sind wir der Ansicht, dass kein Unternehmen selbstzufrieden und unvorbereitet sein darf.

Wir sind davon überzeugt, dass die Berücksichtigung von weltverändernden Trends, wie dem Klimawandel, nicht zwangsläufig zulasten der kurzfristigen Performance geht. Tatsächlich können wir den Kunden ohne eine langfristige Sichtweise dieser Trends nicht dabei helfen, ihre Ziele zu erreichen, die in der Regel viel länger gesteckt sind als Anlagezyklen. Wir sind Treuhänder des Kapitals unserer Kunden. Indem wir über längere Haltefristen die bestmöglichen Eigentümer sind, liefern wir für unsere Kunden bessere Ergebnisse und Renditen.

Die Studie ergab, dass drei Viertel der Verbraucher „in Betracht ziehen“ würden, ihr Geld bei negativen Schlagzeilen eines Unternehmen abzuziehen. Haben die Anleger „die Macht“, Kapital zu steuern und nachhaltigere Geschäftsmodelle zu fördern?

Die globalen Aktienmärkte machen etwa ein Viertel der weltweiten Finanzwerte aus. Nimmt man den Wert der Unternehmensanleihen hinzu, beläuft sich der Gesamtwert der von Privatunternehmen ausgegebenen Wertpapiere auf ein Drittel dieses Gesamtbetrags. Dies entspricht in etwa der Jahresproduktion der Weltwirtschaft. Infolgedessen haben die Anleger durch ihre Kapitalverteilung enorme Macht und können durchaus Einfluss ausüben.

Schon bald werden wir einen erheblichen Vermögenstransfer auf die Millennial-Generation erleben, die länger leben wird als jede Generation vor ihr und aufgrund der zunehmend obligatorischen Bildung von Rücklagen für den Ruhestand mehr Kontrolle über diese Anlagen ausüben wird als frühere Generationen. Vor allem aber lässt diese Generation deutlich erkennen, dass sie Verantwortungsbewusstsein und Nachhaltigkeit ebenso hoch schätzt wie Anlageerträge.

Anleger können und werden börsennotierte Unternehmen dazu bringen, über finanzielle Aspekte hinauszublicken und zu einer nachhaltigeren Welt beizutragen. Sie werden darauf achten, wie diese mit ihren Mitarbeitern und Kunden umgehen und wie sie die weltweiten Ressourcen verbrauchen. Dieser Druck dürfte weiter zunehmen.

Sind Investmentmanager Eigentümer oder Mieter von Unternehmen? Wie dient Schroders durch seine Investitionen als Katalysator des Wandels?

Wir haben uns immer schon als Eigentümer der Unternehmen gesehen, in die wir investieren, nicht als Mieter. Das heißt, dass wir Teil eines Dialogs sind und beeinflussen, wie Unternehmen wachsen und Herausforderungen und Chancen anpacken. Probleme wie Klimawandel, Zuckerkonsum und Wasserknappheit können wesentliche handfeste Risiken und Chancen für ein Unternehmen darstellen.

Wir sind überzeugt, dass aktives engagiertes Investieren – als Eigentümer von Vermögenswerten – bessere Ergebnisse für die Welt und für die Anleger zeigen.

Können Sie uns ein Beispiel dafür geben?

Anleger werden sich schmerzlich bewusst, wenn bekannte Konsumgüterkonzerne hohen ethischen Standards nicht gerecht werden. Marken wie Nike, Adidas und Primark litten unter dem Makel der angeblichen Involvierung in unethischen Arbeitspraktiken in Entwicklungsländern. Solche Probleme können direkte Auswirkungen auf die Umsatzerlöse haben, nicht nur wegen Verbraucherboykotten, sondern auch infolge von Streiks, die ihre Versorgungsketten beeinträchtigen. Transparenz und soziale Medien bedeuten, dass Verstöße gegen Standards über Nacht bekannt werden können. In Luxusbranchen, wo die Verbraucher mehr erwarten, sind diese Aspekte noch wichtiger.

Wir haben uns mit einem Einzelhändler von Luxus-Damenhandtaschen zusammengesetzt und ihn um Details zur Überprüfung seiner Versorgungskette und der Umweltauswirkungen seiner Lieferanten gebeten. Bei der erneuten Begutachtung konnten wir erfreuliche Fortschritte feststellen, aber es gibt immer noch viel zu tun. Mittlerweile ist sich die Unternehmensleitung der ESG-Risiken und ihrer Bedeutung für ein Unternehmen bewusst, dessen Marke sein wichtigstes Gut ist. 

Die Studie erkannte ein potenzielles Missverständnis zwischen Anlegern, die einen nachhaltigeren Ansatz für ihre Kapitalanlagen wünschen, und Finanzberatern, die zögern, das Thema anzusprechen. Woran liegt das?

Vermutlich ist es nicht gerade hilfreich, dass es keine einheitliche Definition für diese Aspekte gibt, auch nicht, dass verantwortungsbewusstes Investieren für jeden etwas anderes bedeutet. Dennoch ist dies ein wichtiges Thema, das mit den Kunden besprochen werden sollte. Es geht nicht mehr nur darum, die Ziele eines Anlegers und seine Einstellung gegenüber Risiken auszuarbeiten. Ein Berater muss auch verstehen, welche Haltung der Anleger gegenüber der Welt einnimmt, und wie er sie durch sein Geld verbessern möchte.

Zukünftig werden Fondsmanager Finanzberatern darlegen, wie die Portfolios ausgerichtet sind, um veränderliche Trends zu berücksichtigen, wie sie Instrumente einsetzen, um ihre Anlageentscheidungen zu unterstützen, und wie sie mit den Unternehmen in Kontakt stehen, um eine größere Transparenz und Weitsicht zu fördern.

Welche drei Fragen könnten Berater Vermögensverwaltern in Bezug auf ihren Ansatz stellen, die Nachhaltigkeit eines Unternehmens zu verstehen?

  1. Wie fügt sich Nachhaltigkeit in Ihre Anlagephilosophie ein?
  2. Welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Instrumente haben Sie, um Anlageentscheidungen besser zu unterstützen?
  3. Was sind die wichtigsten mittel- und langfristigen Risiken und Chancen, auf die Branchen/Unternehmen Ihrer Meinung nach reagieren müssen?

Können Sie abschließend noch etwas dazu sagen, welche zukünftigen Trends die Anleger berücksichtigen sollten?

Bei einer effektiven Unternehmensstrategie wird es weniger um die Voraussage der Zukunft und eine entsprechende Kursfestsetzung gehen, als vielmehr um den Aufbau einer Organisation, die sich an unerwartete Veränderungen anpassen kann. Gute Anlageentscheidungen, die dies berücksichtigen, stützen sich auf Analysen, und für Analysen sind Daten nötig.

Rigorose, relevante und konsistente Daten auf der Unternehmens- und Wertpapierebene sind eine wichtige Voraussetzung für uns, um die Bedeutung sozialer und ökologischer Trends zu definieren, zu verstehen und zu quantifizieren – und zu erkennen, wie man am besten damit umgehen kann.

Wir sind überzeugt, dass neue Instrumente erforderlich sind. Schroders konzentriert sich auf die Erstellung von Modellen, die die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen an die Veränderungen sozialer und ökologischer Trends widerspiegeln. Das bedeutet die Analyse von Industriezweigen und der Art und Weise, wie sich soziale Entwicklungen auf Geschäftsmodelle, Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität auswirken. Es heißt, sich eher darauf zu konzentrieren, wie Unternehmen geführt werden, als nur darauf, wie viel Gewinn sie machen.