Märkte

Kalender: Eine Liste möglicher Schocks für Anleger

In den nächsten zwölf Monaten könnten zahlreiche Ereignisse die Finanzmärkte erschüttern …

28.11.2016

David Brett

David Brett

Redakteur

Das Brexit-Votum und den Wahlsieg von Donald Trump sehen manche als Schlag gegen das Establishment. Beide Entscheidungen lassen sich zudem als Absage an den wirtschaftlichen Status quo betrachten.

Wie beim Brexit bleiben auch die Folgen der Präsidentschaft von Donald Trump noch nicht absehbar. Die Märkte haben auf beide Ereignisse mit heftigen Schwankungen reagiert. Investieren unter solchen Ausnahmesituationen ist riskant – ein wenig erinnert die Situation an Wetten auf Kopf oder Zahl. Gerade deshalb sollten Anleger informiert bleiben, welche Ereignisse in den kommenden zwölf Monaten die Märkte erschüttern könnten. Wir blicken auf die wichtigsten Ereignisse und erklären, warum sie verstärkte Unruhe an den Finanzmärkten auslösen könnten.

Kalender möglicher Schocks für Anleger

30. November 2016: Treffen der OPEC

Was passiert hier?

Die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC) muss über eine möglicherweise gedrosselte Fördermenge entscheiden.

Warum ist das wichtig?

Die Inflation ist für Anleger ein unausgesprochen im Raum stehendes Problem. Sinkt die Menge des geförderten Rohöls, könnte dies die Ölpreise steigen lassen. Damit könnten sich das Herstellen und Liefern von ganz alltäglichen Produkten verteuern. Das wiederum kann zu steigender Inflation führen: Diese könnte die weltweite Konjunktur zusätzlich belasten und die Zentralbanken unter Druck setzen, die Zinsen zu erhöhen.

4. Dezember 2016: Verfassungsreferendum in Italien

Was passiert hier?

Der italienische Premierminister Matteo Renzi setzt sein Amt mit ehrgeizigen Plänen für eine Verfassungsreform aufs Spiel. Dabei geht es darum, die Rolle des Italienischen Senates als Oberhaus drastisch zu beschränken und den Regionalregierungen Macht zu entziehen. ​Laut der Nachrichtenagentur Reuters sehen die Umfragewerte für Renzi nicht besonders vielversprechend aus. Eine Niederlage könnte ihn zum Rücktritt zwingen. Und dies wiederum der EU-kritischen Protestpartei Fünf-Sterne-Bewegung die Tür öffnen.

Warum ist das wichtig?

Die Fünf-Sterne-Bewegung fordert zu einer Abstimmung für den EU-Ausstieg auf; gleichzeitig befinden sich die Banken des Landes am Rand einer weiteren Krise. Die EU-Vorschriften erschweren einem souveränen Staat die Rettung seiner eigenen Banken.

Ende 2016: Umschuldung für Griechenland

Was passiert hier?

Griechenland hat lange mit den EU-Staatschefs über Rettungspakete gefeilscht – darüber, wie viel Geld das Land annehmen sollte und zu welchen Bedingungen. Auch die nächste Gesprächsrunde dürfte wieder angespannt sein.

Warum ist das wichtig?

Die Zukunft der EU selbst könnte auf dem Spiel stehen, wenn sich Griechenland entscheidet, seinen Verpflichtungen nicht nachzukommen und die EU zu verlassen.

Mai 2017: Wahlen zur Nationalversammlung in Frankreich

Was passiert hier?

Der sozialistische Staatspräsident François Hollande ist nach wie vor unbeliebt. Der Wahlausgang ist jedoch völlig ungewiss. Es besteht die Gefahr, dass die Vorsitzende des ultrarechten Front National, Marine Le Pen, kandidieren wird. Wie weit sie dabei kommen wird, ist unklar. Doch ihre Kampagne scheint Fahrt aufzunehmen.

Warum ist das wichtig?

Zu den politischen Zielen von Le Pen gehört der Ausstieg aus der EU. Der US-amerikanische Buchmacher William Hill hat die Wahrscheinlichkeit eines Wahlerfolgs von Le Pen nach dem Sieg von Trump nunmehr von 6/1 auf 2/1 hochgestuft.

Oktober 2017: Bundestagswahl in Deutschland

Was passiert hier?

​Angela Merkel hat sich für eine erneute Kandidatur entschieden, Doch die Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und NRW gelten als wichtiger Stimmungstest im Vorfeld:
Schließlich hat Merkels CDU bereits bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin im September 2016 eine herbe Niederlage einstecken müssen.

Warum ist das wichtig?

Merkel gilt seit Langem als die Hüterin des europäischen Projekts. Aber viele Deutsche hadern mit ihrer Flüchtlingspolitik. Der Ausgang der Bundestagswahl könnte damit die Unsicherheiten für die Zukunft der EU noch weiter verschärfen.

Kommentar von Schroders-Chefökonom Keith Wade

Der Erfolg von Trump bei der Wahl in den USA ist ein weiterer Beweis für den zunehmenden Populismus auf Wählerseite. Wie bei der Entscheidung Großbritanniens für den Ausstieg aus der EU sind die Folgen der US-Wahl nur schwer einschätzbar, ehe nicht eine feste politische Linie bekanntgegeben wird. Die allgemeinere Sorge für Anleger besteht darin, dass das Wahlergebnis die antieuropäische Stimmung in ganz Europa schüren und damit das komplette europäische Projekt gefährden könnte. Und damit bleibt ein großes Fragezeichen, was die globalen Wirtschaftsbedingungen anbelangt.

Schroders hat in diesem Dokument eigene Ansichten und Meinungen zum Ausdruck gebracht. Diese können sich ändern.