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Multi-Asset Income: Wie funktioniert das?

Laufende Erträge sind für viele Anleger äußerst wichtig. Vor diesem Hintergrund untersuchen wir die Vorteile eines Multi-Asset-Ansatzes.

13.09.2018

Emma Stevenson

Investment-Redakteurin

Traditionelle Quellen bieten keine attraktiven Erträge mehr

Ertragsorientierte Anleger haben es heute mit einer anderen Investmentlandschaft als früher zu tun. Die Zeiten, als Sparkonten hohe Zinsen boten und die Renditen sicherer Staatsanleihen die Inflation mehr als ausglichen, sind vorbei. Anleger, die höhere Realrenditen (d. h. Renditen über der Inflationsrate) anstreben, könnten gezwungen sein, sich risikoreicheren Anlageklassen wie Unternehmensanleihen oder Aktien zuzuwenden.

Doch die Wahl der Anlageklasse und des Anlagezeitpunkts kann eine komplizierte Entscheidung sein, und das Management eines Portfolios nimmt viel Zeit in Anspruch.

Multi-Asset bietet Diversifikation

Für einige Anleger könnte ein Multi-Asset-Fonds die Lösung sein. Wie der Name besagt, enthalten solche Fonds Anlagen aus vielen verschiedenen Anlageklassen, wie Aktien, Anleihen, Barmittel, Immobilien und Infrastruktur. Der Fondsmanager bestimmt den angemessenen Anteil jeder Anlageklasse, und diese Vermögensaufteilung wird im Zeitablauf entsprechend des sich ändernden Marktumfelds aktiv gesteuert.

Multi-Asset-Income-Fonds konzentrieren sich in der Regel auf Anlageklassen mit „natürlichen” Erträgen. Das sind vor allem Hochzinsanleihen, Schwellenländeranleihen, Immobilienwertpapiere mit Mieterträgen und dividendenstarke Aktien. Am Ende dieses Artikels finden Sie Erläuterungen zu den verschiedenen Anlageklassen mit laufenden Erträgen.

Ein wichtiger Vorteil von Multi-Asset-Fonds ist, dass sie in der Regel Zugang zu einem breiteren Spektrum von Anlageklassen, Regionen und Anlagestilen haben als Anleger, die ihr eigenes Portfolio aufbauen. Die Anleger erhalten also in einem einzigen Fonds Zugang zu einem breit gefächerten Anlageuniversum.

Multi-Asset-Portfolios können auch mit dem Ziel erstellt werden, eine bestimmte Rendite bei relativ geringem Risiko zu erwirtschaften. Dabei ist allerdings zu beachten, dass risikoarm nicht risikolos bedeutet. Der Wert der Anlagen und der damit erzielten Erträge kann sowohl steigen als auch fallen, und unter Umständen erhalten Sie als Anleger den ursprünglich investierten Betrag nicht in vollem Umfang zurück. Es gibt keine Garantie, dass die Ziele erreicht werden.

Laufende Erträge und Volatilität von Anlageklassen

Quellen: Schroders, DataStream, Bloomberg, FTSE, Standard & Poor’s, 31. Juli 2018, Volatilität definiert als annualisierte Standardabweichung der Monatsrenditen über zehn Jahre, 10-j. US-Staatsanleihen = DataStream Generic US 10 year (Index 10-jähriger US-Staatsanleihen von DataStream), Globale Investment-Grade-Anleihen = Bank of America Merrill Lynch Global Credit (USD), Globale Hochzinsanleihen = Bank of America Merrill Lynch Global High Yield Constrained (USD), Schwellenländeranleihen in USD = JPMorgan GBI-EM Global Diversified Composite (USD), Schwellenländeranleihen in Lokalwährung = JPM EMBI Global Composite, MSCI World High Dividend Yield (USD). Globale Infrastruktur = S&P Global Infrastructure Index (USD), Globale Immobilien = FTSE EPRA/NAREIT Global Index (USD). Die Volatilität des globalen Multi-Asset-Income-Portfolios ist die realisierte Volatilität unseres größten global anlegenden Multi-Asset-Produkts mit Schwerpunkt auf Ertragsgenerierung seit seiner Auflage am 8. April 2012. Es kann nicht garantiert werden, dass ein bestimmtes Anlageergebnis erzielt wird.

*Die Notenbanken vieler Industrieländer – einschließlich der US-Notenbank Fed, der Bank of England, der japanischen Notenbank und der Europäischen Zentralbank – streben bei der Festlegung ihrer Geldpolitik eine Inflationsrate von 2 % oder knapp darunter an.

Die obige Abbildung veranschaulicht beispielhaft, wie sich Ertragsanlagen in der Praxis verhalten. Die x-Achse zeigt die Volatilität der verschiedenen Anlageklassen, und die y-Achse zeigt ihre laufenden Erträge. Aus der Abbildung wird ersichtlich, dass viele der höher rentierlichen Anlageklassen, wie auf Lokalwährung lautende Schwellenländeranleihen, auch die volatilsten sind. Die am wenigsten volatilen Anlagen, wie Anleihen mit Investment Grade, weisen dagegen relativ niedrige laufende Erträge aus.

Der grüne Punkt bezeichnet ein Beispiel eines Multi-Asset-Income-Portfolios. Es bietet vielleicht nicht die höchstmögliche Rendite, doch die Diversifikation über Anlageklassen und Regionen kann dem Anleger helfen, die Schwankungsintensität zu verringern und gleichzeitig ein attraktives Ertragsniveau zu erreichen.

Die Abbildung zeigt nur ein Beispiel für ein aktuelles Multi-Asset-Portfolio, und die Gewichtung der Anlageklassen kann sich je nach Marktumfeld ändern. Verschiedene Multi-Asset-Income-Portfolios können verschiedene Niveaus für die Schwankungsintensität und die laufenden Erträge haben. Die Abbildung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung, dient nur zur Veranschaulichung und ist kein Vorschlag, eine bestimmte Anlagestrategie zu verfolgen.

Fokussierung auf risikobereinigte Kurskomponenten

Das ist für viele Anleger tatsächlich der Sinn von Multi-Asset-Income-Fonds: Nicht ohne Rücksicht auf potenzielle Risiken den höchsten Kurskomponenten nachzujagen, sondern mithilfe eines breiten Anlageuniversums die potenziellen risikobereinigten Kurskomponenten zu maximieren.

Solche Fonds bieten auch die Flexibilität, auf ein sich änderndes Marktumfeld zu reagieren. So kann der Fondsmanager Aktien höher gewichten, wenn er eine attraktive Anlagegelegenheit erkennt. 

Warum gerade jetzt Multi-Asset-Income?

Nach der Rallye an den globalen Anlagemärkten seit der Finanzkrise 2008–2009 erscheinen jetzt viele Vermögenswerte hoch bewertet. Das gilt insbesondere für Anleihen. Ihre Kurse sind infolge der quantitativen Lockerungsprogramme gestiegen, in deren Rahmen Zentralbanken Staats- und Unternehmensanleihen mit Investment Grade kauften. Das hat die Anleihekurse nach oben getrieben und die Renditen, die sich gegenläufig zu den Kursen entwickeln, nach unten gedrückt.

Die hohe Bewertung und die niedrigen Erträge von Anleihen könnten Anleger, die Erträge bei relativ niedrigem Risiko anstreben, zu dem Schluss kommen lassen, dass eine traditionelle Allokation in Anleihen für ihre Bedürfnisse ungeeignet ist. Solche Anleger könnten stattdessen einen Multi-Asset-Ansatz bevorzugen, wodurch sie mit einem zunehmend instabilen und sich rasch ändernden Chancenspektrum zurechtkommen können.

Wenn Sie sich bezüglich der Eignung Ihres Investments unsicher sind, sprechen Sie bitte mit einem Finanzberater.

Der Wert der Anlagen und der damit erzielten Erträge kann sowohl steigen als auch fallen. Zudem erhalten die Anleger den ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht in vollem Umfang zurück.

Einschätzung des Fondsmanagers

Remi Olu-Pitan, Fondsmanagerin, Multi-Asset, sagt:

Wir erwarten in der zweiten Jahreshälfte größere Schwankungen an den globalen Märkten. Vor diesem Hintergrund glauben wir, dass ein Multi-Asset-Ansatz den Kunden helfen kann, mit diesem Umfeld zurechtzukommen, und ihnen gleichzeitig attraktive Erträge bietet.

Erläuterung der Anlageklassen

Dividendenstarke Aktien: Eine Dividende ist eine im Allgemeinen jährliche Zahlung eines Unternehmens an seine Aktionäre. Dieser Zahlung liegt gewöhnlich ein Teil des Unternehmensgewinns zugrunde. In Sektoren mit stabilen Gewinnen werden in der Regel höhere Dividenden gezahlt, während wachstumsstarke Unternehmen mit volatilen Gewinnen unter Umständen gar keine Dividende zahlen.

Investment-Grade- und Hochzinsanleihen: Anleihen mit Investment Grade sind von einer Ratingagentur als erstklassig eingestufte Anleihen. Das heißt, das Ausfallrisiko des Unternehmens, das die Anleihe emittiert hat, wird als niedrig eingeschätzt. Hochzinsanleihen gelten dagegen als risikoreicher und zahlen deshalb eine höhere Rendite, um den Anleger für das Zusatzrisiko, das er mit seinem Kapital eingeht, zu entschädigen.

Schwellenländeranleihen: Hierbei handelt es sich um Anleihen, die von weniger entwickelten Ländern oder dort ansässigen Unternehmen emittiert wurden. Sie können in US-Dollar oder der Lokalwährung ausgegeben werden. In der Lokalwährung ausgegebene Anleihen können als attraktive Anlageoption betrachtet werden, wenn eine Aufwertung dieser Währung erwartet wird.

Infrastrukturanleihen: Eine Anleihe zu emittieren, statt einen Bankkredit aufzunehmen, ist eine gängige Art der Finanzierung von Infrastrukturprojekten geworden. Infrastrukturanleihen unterscheiden sich insofern von anderen Unternehmensanleihen, als sie mit realen Anlagen (zum Beispiel einem Kraftwerk oder einer Mautstraße) verbunden sind. Dies sind in der Regel langfristige, illiquide Anlagen, die für einen einzelnen Anleger kaum zugänglich wären.

Immobilien: Immobilienrenditen sind mit Aktien- und Anleiherenditen wenig korreliert. Deshalb sind Immobilien ein wichtiger Bestandteil eines diversifizierten Portfolios. Immobilienanlagen können Gewerbe- oder Wohnimmobilien sein und bieten in Form von Mieten stabile Erträge.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Emma Stevenson und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.